«Wenn es Stefan hilft, mache ich das gerne.» – Johan Jacobs über seine neue Rolle an der Ronde van Vlaanderen

Am Sonntag steht mit der Ronde van Vlaanderen das erste Monument des Jahres in Belgien an. Bereits zum sechsten Mal mit dabei ist Johan Jacobs. Allerdings das erste Mal mit seinem neuen Team Groupama-FDJ.

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Jacobs in neuem Trikot an seinem Wohnort in Belgien. (Bild: Anouk Flesch)

Den Wahlbelgier Johan Jacobs erreichen wir am Dienstagabend im Hotel, 40 Kilometer  von seinem Wohnort entfernt. Er ist da bereits mit dem Team einquartiert und startet am Mittwoch noch bei Dwars door Vlaanderen bevor am Sonntag die Flandernrundfahrt auf dem Programm steht.

Wie läufts im neuen Team, musst du noch alleine frühstücken?

(lacht) Nein, mittlerweile habe ich mich gut eingelebt. Und mit den Fahrern war es einfach, die ticken sowieso alle ähnlich. Etwas länger dauert es, die neuen Abläufe und den ganzen Staff kennenzulernen.

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Johan Jacobs am Regensberg bei der Tour de Suisse 2024. (Bild: Laurent Aeberli)

Wie äussert sich das?

Bis Ende 2023 hatte ich vier Jahre lang den gleichen Trainer. Letztes Jahr dann einen neuen. Und jetzt nochmals einen neuen. Das braucht jeweils eine Weile, bis man sich gefunden hat.

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Was ist der grösste Unterschied zu deinem alten Team Movistar?

Die Sprache. Hier spricht man vorwiegend Französisch und Englisch. Bei Movistar natürlich Spanisch.

Und das klappt gut?

Ja, ich habe in der Schule aufgepasst. (lacht)

Merkst du auch Unterschiede im Rennalltag?

Der Druck hier bei den Klassikern ist grösser. Es werden Sponsoren zu den Rennen eingeladen, die Aufmerksamkeit ist allgemein grösser und somit sind die Rennen wichtiger fürs Image des Teams. Das war bei Movistar eher bei den spanischen Rennen der Fall.

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Jacobs und sein neues Arbeitsgerät. (Foto: Anouk Flesch) (Bild: Anouk Flesch)

Was ist deine Rolle am Sonntag?

Die genauen taktischen Besprechungen haben wir noch nicht gehabt. Wir fahren zuerst noch Dwars door Vlaanderen bevor wir am Donnerstag die Strecke rekognoszieren. Danach machen wir die konkreten Pläne. Ich denke aber, meine Rolle wird ähnlich sein wie in den bisherigen Rennen. Ich bin die Lifeline für Stefan Küng: die Versicherung, dass immer einer bei ihm ist, wenn etwas passiert.

Wärst du lieber in der Fluchtgruppe? 

In die Spitzengruppe zu gehen, wäre schon schön. Für mich persönlich ist das sicher eine Option. Ich bin aber zufrieden mit meiner neuen Rolle. Man will ja schliesslich gewinnen. Und wenn es Stefan hilft, mache ich das gerne.

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Johan Jacobs auf der Flucht im Schweizer Nationaltrikot am GP Gippingen 2024. (Bild: Laurent Aeberli)

Wäre es nicht auch eine taktische Möglichkeit, in die Spitzengruppe zu gehen und dafür hinten nicht nachzuführen?

Das wäre sicher auch eine Möglichkeit. Aber wenn man in die Gruppe will, muss das klappen, ohne zu viele Körner zu verlieren. Sonst bringt das auch nichts, wenn man schon das ganze Arsenal am Anfang verschossen hat.

Hilfst du dann dafür Silvan Dillier beim nachführen, wenn du es nicht in die Gruppe schaffst?

Nein, der braucht keine Hilfe. (lacht)

Nach dem E3 Saxo Classic wurde Kritik laut, da ihr nach einem Sturz und der Teilung des Feldes vorne Tempo gemacht habt.

Das wurde total falsch interpretiert. Das Tempo war bereits beim Sturz sehr hoch und es attackierten diverse Fahrer und Teams. Nach dem Crash und dem Split waren wir rund 40 Leute vorne, die anderen hinten über 100. Ich habe den Sturz gar nicht mitgekriegt, wir waren zu fünft vorne und wollten die Chance nutzen, aber sicher nicht den Sturz ausnutzen. Zudem: Der Sturz war nach etwa 15 gefahrenen Kilometern, wir fuhren erst 60 Kilometer später wirklich schnell.

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Rüschlikon statt Kwaremont: Jacobs (123) an der Tour de Suisse 2024. (Bild: Laurent Aeberli)

Zwei Tage nach E3 bist du Gent–Wevelgem nicht fertig gefahren. Was war da los?

Ich hatte Pech mit dem Material. Die Autos waren weit weg und ich kannte den Weg zum Ziel zu gut. Dann habe ich direkt dorthin abgekürzt.

Du warst bereits als Junior in Belgien und wohnst jetzt wieder dort. Ist das auch sonst ein Vorteil, wenn man die Strassen gut kennt?

Ja, das ist ein Vorteil, wenn man die Strassen gut kennt und für diese Rennen lebt und die Atmosphäre liebt. Zwar kennen viele Fahrer die Strecke, aber man kann sie nie genug gut kennen.

Wie meinst du das?

Alle wissen, wann man vorne fahren sollte. Aber ich weiss auch, wo es Platz hat, um nach vorne zu fahren. Es ist nochmals etwas anderes, wenn man die Strassen sehr gut kennt. Man kann sich das Rennen auch besser einteilen. Im Radquer merkt man das besonders gut: Wenn man ein Rennen zum zehnten Mal fährt, kommt einem die Strecke kürzer vor. Und so ist es auch auf der Strasse. Man weiss einfach: Hier kannst du die Beinlinge ausziehen, hier zum Teamauto fahren. Aber alles kannst du natürlich nicht kontrollieren. Es kann immer etwas passieren und es gibt Überraschungen.

Wenn du dir einen perfekten Rennverlauf wünschen könntest, wie wäre dieser am Sonntag?

Eine frühe erste Selektion über den Molenberg. Dort das Peloton splitten, dass noch 40 Fahrer dabei sind – vier bis fünf von uns. Danach eine zweite Selektion beim zweiten Mal am Kwaremont. Es soll möglichst früh, möglichst hart werden. Das sollte Stefan in die Karten spielen. Und ich bleibe hoffentlich so lange wie möglich dabei.

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Jacobs (Mitte) beim Teamzeitfahren an der WM in Zürich. (Bild: Laurent Aeberli)

Zum Schluss noch ein Service für die Leute vor Ort. Wo sollen sie sich hinstellen, um das Rennen zu verfolgen?

Das kommt drauf an, ob es ums Bier oder um den Sport geht. (lacht)

Dann teilen wir das doch auf!

Fürs Rennen: Die Atmosphäre in Brügge beim Start ist sehr speziell. Und dann bietet sich der Molenberg an, dort beginnt das Rennen meistens richtig und alle fahren schön aufgereiht in Einerreihe. 

Fürs Bier geht man an den Kwaremont mit den Festzelten. Dort fahren wir auch dreimal vorbei, allerdings ist unklar, wie viel man davon mitbekommt.

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