Stefan Küngs Geheimnis und andere überraschende Geschichten – das ist das «Gruppetto» #2/24

Die zweite «Gruppetto»-Ausgabe 2024 ist soeben erschienen. Von Stefan Küng, über Ginny Litscher bis hin zu Eddy Merckx erzählen wir spannende Radsport- und Velokultur-Geschichten. Ausserdem: Über 50 Extra-Seiten zur Tour de Suisse.

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Der beste Schweizer Zeitfahrer Stefan Küng ist auf dem Cover des neusten «Gruppetto». Coverbild: Janosch Abel, Foto: Laurent Aeberli

Er lüftet sein Geheimnis

Mit Olympia und der WM befindet sich Stefan Küng in einem wichtigen Jahr. Doch ausgerechnet in dieser Saison musste der Zeitfahrspezialist auf ein anderes Velo umsatteln. Warum bleibt er so gelassen? Küng erzählte uns, was die Öffentlichkeit bisher nicht wusste: Sein Team entwickelte in rekordverdächtiger Zeit ein neues Velo, das im Windkanal die Modelle der Konkurrenten klar übertrumpft.

Küng Fototermin
Verausgabt sich beim Fototermin bei sich zuhause in Frauenfeld: Stefan Küng. Foto: Janosch Abel

Szene aus der Hauptstadt

Die WM der Velokurier:innen gastiert Ende Juli in Zürich. Es soll das grösste Spektakel werden, das die Branche je erlebt hat. Wir haben drei Zürcher:innen getroffen, welche die Szene seit Jahren mitprägen. Sie gaben uns einen Einblick in eine Subkultur, in der der Spass an der Arbeit und das Bier nach der Schicht über die Gefahren im Verkehr und tiefe Löhne hinwegtrösten.

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Luk Keller, Roland Munz und Yvonne Müller (von links) sind in Zürich mit dem Velo schon beinahe jede Ecke abgefahren. Foto: Flavio Leone

Kunst für den Kopf

Die detailreichen Motive mit Tieren, Pflanzen und Sonnestrahlen zieren in der Wohnung von der erfolgreichen Künstlerin Ginny Litscher alles Mögliche: Die Vorhänge, das Sofa oder die Kaffeetassen. Bei unserem Besuch in ihrer Wohnung, die zugleich ihr Atelier ist, hat Litscher gerade einen Zeitfahrhelm bemalt. Den Auftrag dazu hat die französische Galeristin Najette Derni erteilt. Zusammen mit anderen Helmen wird Derni den einzigartigen Litscher-Helm in St. Moritz, Genf oder Monaco ausstellen.

Litscher Helm
Der Helm sitzt: Ginny Litscher in ihrer Wohnung in Zürich. Foto: Johanna Hullár

Der Mythos der Alfonsina Strada

Alfonsina Strada hat sich vor 100 Jahren am Giro d'Italia von nichts aufhalten lassen: Weder ein Sturz noch ein gebrochener Lenker konnte sie stoppen. Und schon gar nicht die Tatsache, dass sie als einzige Frau an der Rundfahrt in Italien teilnahm, wo eine Frau am Giro genauso unvorstellbar war wie eine Frau in der Armee. Und dann passierte etwas, mit dem niemand gerechnet hat: Die Menschen liebten Strada.

Strada Negrescolor
Illustration Joan Negrescolor for the book EU, ALFONSINA, published in Portugal by Orfeu Negro

Wehe, wenn er losgelassen

Jan Christen ist das grösste Schweizer Jungtalent. Der 19-jährige Aargauer fährt im Team von Tadej Pogačar und sagt: «Wenn ich an den Start gehe, dann nur, wenn ich um den Sieg fahren kann.» Ihn kann kaum etwas aus der Ruhe bringen. Als er beim «Gruppetto»-Fototermin auf der Windhund-Rennbahn in Kleindöttingen auf zwei Rennhunde trifft, offenbart Christen Zurückhaltung, fast schon Schüchternheit.

Christen Windhunde
Jan Christen rast über die Windhund-Rennbahn in Kleindöttingen. Foto: Maurice Haas

Tod eines Champions

Emil Richli gewann in den 1920er-Jahren Sechstagerennen in Frankfurt, Stuttgart, Breslau, Berlin, Köln, Leipzig oder Chicago. Wenn er in Zürich auf der Offenen Rennbahn antrat, strömten Tausende nach Oerlikon. 1934 trat Richli bei den Schweizermeisterschaften gegen seinen Schüler und Freund Sepp Dinkelkamp an. Doch dann platzte Richlis Pneu und der 10. Mai 1934 nahm ein trauriges Ende.

Richli Sturz
Der Moment des tragischen Sturzes im Duell Sepp Dinkelkamp (links) gegen Emil Richli. Foto: Archiv des Renn-Club Nebelbach

Badenfahrt

Die Gruppetto Voyage führte uns mit dem Radquer-Schweizermeister Timon Rüegg vom Zürcher Unterwald durch Wälder bis nach Baden. Das Wetter war garstig und dann stellte sich uns auch noch eine empörte Hündelerin in den Weg.

Badenfahrt
Timon Rüegg (links) und Laurent Aeberli trotzen dem schlechten Wetter. Foto: Samuel Trümpy

Geschichten aus dem Extra-Heft zur Tour de Suisse

Wir haben Noemi Rüegg in Steinmaur getroffen. Die 23-Jährige ist das jüngste Aushängeschild des kleinen Veloclubs aus dem Zürcher Unterland, der aktuell vier Fahrer:innen auf der WorldTour stellt. Rüegg erzählte uns, wie sie die Freude am Rennfahren erst entdecken musste.

Vor 50 Jahren hat der grosse Eddy Merckx das erste und einzige Mal die Tour de Suisse gewonnen. «Der Kannibale» zog damals die Massen an, die den Belgier live erleben wollte. Doch ausgerechnet die Königsetappe an Merckx' Geburtstag wurde zur Enttäuschung.

Gino Mäder, der vergangenes Jahr an der Tour de Suisse verunfallt ist und später im Spital starb, wird die Schweizer Landesrundfahrt weiter prägen. «Gino ist ein Teil der Geschichte der Tour de Suisse und er soll dies auch weiterhin bleiben», sagt Direktor Olivier Senn im Interview und erzählt, was die Organisator:innen in diesem Jahr alles angepasst haben.

Noemi Rüegg
Fühlt sich wohl im Unterland: Noemi Rüegg. Foto: Urs Jaudas

Und ausserdem...

...unser Gruppetto heisst Firerstarter. Sie treffen sich an zweit Tagen in der Woche morgens um 5.15 Uhr in Basel zu einer Ausfahrt von 40 bis 80 Kilometern. Dabei treffen sie auf Wildshweinrotten und ungezählte Deadends.

...Martina Centomo fuhr mit 18 Jahren lieber ein Radrennen, als Prüfungen zu schreiben. Dann stürzte sie und musste ihre Karriere beenden. Dem Radsportzirkus ist sie dennoch treu geblieben. Sie arbeitet heute für die Sportevent-Organisation RCS, die den Giro organisiert, und lebt mit dem Veloprofi Jai Hindley in Lugano.

...Technik-Kolumnist Simon Joller hat den Kettenwachs entdeckt. Er ist überzeugt: Auch für Hobbyfahrer:innen mit einem Flair für Velotechnik ist Wachs eine saubere Sache.

...an verschiedenen steilen Anstiegen haben Fans des verstorbenen Marco Pantani Gedenksteine für ihr Idol aufgestellt. Ein solcher Stein steht auch im Tessin beim Passo dello Scopello.

...das Transcontinental Race ist Europas längstes Langdistanzrennen. Wer es beendet, sieht so richtig fertig aus. Die ausgezeichnete Hobby-Fotografin Saskia Martin hat Gesichter eingefangen, die von über eine Woche Kampf auf dem Velo geprägt waren.

...Alois «Wisel» Iten feiert demnächt seinen 80. Geburtstag. Auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon findet sich kaum jemand, der den Velo-Enthusiasten nicht kennt. Seit 1985 bietet Iten Bahnkurse an.

...«Zischhh mit Etna Flitz» unsere neue Comic Kolumne von Irina Feller bietet einen unterhaltsamen Einblick in die Welt der Velokurier:innen.

...Die Grossmutter von Robin Gemperle erfüllte es einst mit Stolz, wenn ihr Enkel beim Mountainbiken das rote Trikot mit dem weissen Kreuz trug. In seiner Kolumne beschreibt der inzwischen beste Schweizer Ultra-Cycler, wie wenig er mit diesem Konzept anfangen kann.

(zac)

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